Interview mit Peter Kruse: Die Live-Gesellschaft - Kultur: Diverses - tagesanzeiger.ch

Das Internet ist eine Kulturtechnik, die das gesellschaftliche Leben mindestens so dramatisch beeinflusst wie der Buchdruck. In diesen Dimensionen der Veränderung ist es wenig hilfreich, auf der Ebene von Meinungen oder Vorlieben zu argumentieren. Ob ich etwas positiv oder negativ finde, hat also wenig Bedeutung. Das Internet ist ein machtvoller Eingriff in unser Leben und solange wir es nicht abschalten, stehen wir alle in der Verantwortung, das Beste daraus zu machen. Sicher ist, dass das Internet den Zugang zu Informationen revolutioniert, Wissen demokratisiert und die Macht immer mehr vom Anbieter zum Nachfrager verschiebt. Das Internet ist ein Experiment. Ausgang ungewiss.

Risiken inbegriffen?


Tatsächlich glaube ich, dass die Chancen gegenwärtig die Risiken überwiegen. Beim Experiment Internet gibt es kein Mehr oder Weniger, sondern nur ganz oder gar nicht. Unstrittig ist, dass das Internet die Transparenz in Wirtschaft und Politik erhöht. Der Preis, den wir bezahlen, ist der Verlust der Vertraulichkeit. Ausserdem eröffnet das Internet den Nutzern eine Welt der Kreativität. Der Preis, den wir bezahlen, ist die potenzielle Verletzung des Urheberrechts. Es geht nicht darum, ob wir das Internet gut oder schlecht finden, sondern darum, wie sich das gesellschaftliche Kosten-Nutzen-Verhältnis in Zukunft entwickelt.

Interessante und kluge Statements von Peter Kruse

Interview: Die Live-Gesellschaft - Kultur: Diverses - tagesanzeiger.ch

Verkommt da nicht alles zu einer Fiktionalisierung der Realität?
Im Gegenteil, die Fiktionalisierung der Realität wird über das Internet wahrscheinlich wieder etwas zurückgenommen. Verglichen mit der inszenierten Alltagsnähe von Dokusoaps spiegeln Facebook-Statusmeldungen und Kurzmitteilungen bei Twitter wohl zumeist eher die pralle Wirklichkeit wider.

Peter Kruse im Gespräch

Burnout-Risiko: Einfach mal abschalten!

Misstrauisch beäugt wird, wer nicht kurz vor dem Burnout steht

Mit dem Schimpfen auf die Beschleunigung und der larmoyanten Ablehnung des ach so hektischen Fortschritts schiebt man die Schuld für seine Selbst-Unzufriedenheit auf die böse Technologie. Statt zu fragen, ob man überhaupt fähig ist, mir ihr richtig umzugehen. Statt zu fragen, ob man wirklich das Leben führt, das man führen möchte. Statt zu fragen, ob man sich das ständige Piepen des Smartphones vielleicht selbst ausgesucht hat, um von der eigenen Leere abzulenken. Und also die Abschaffung des piependen Smartphones gar nicht die Lösung des Problems wäre.

Missbrauch von anekdotischer Evidenz

Missbrauch von anekdotischer Evidenz ist ein logischer Fehlschluss und wird manchmal informell als „jemand der“-Fehlschluss bezeichnet („ich kenne jemanden, der …“ „ich weiß von einem Fall, wo“), vergleichbar mit der vorschnellen Generalisierung. Anekdotische Evidenz ist nicht notwendigerweise typisch. Statistische Evidenz kann genauer bestimmen, wie typisch etwas ist.

via Martin Bartonitz: http://de.gravatar.com/bartonitz

Quelle: http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/06/12/warum-schuler-unsinnig-buffeln-mussen-brief-eines-vaters-an-seine-tochter-zur-erklarung/

 

 

Kompetenzen in der nächsten Gesellschaft: Umgang mit Kontingenz und Komplexität

"Wir denken darüber nach, wie wir ein möglichst vielfältiges Spielfeld aufbauen können, mit dem Gegner zusammen, um im Nachhinein Fehler korrigieren können." (zit. nach Dirk Baecker)

Ihre These: "Solange man nicht weiß, wie es weitergeht, vergewissert man sich eines Stands der Dinge, auf den kein Verlass ist." Das müssen Sie erläutern! 

Für mich ist das Paradigma dieses Satzes die Untersuchung des amerikanischen Soziologen Eric Leifer über Schach. Er ging davon aus, dass Schachgroßmeister sich dadurch auszeichnen, dass sie mehr Züge ihres Gegners im Voraus berechnen können als der Laie. Leifer hat dann elf solcher Schachmeister befragt: "Sagt mal, wie viele Züge im Vorhinein könnt ihr denn tatsächlich berechnen?" Die haben alle ihre Stirn in Falten gezogen und nach einer gewissen Zeit des Nachdenkens gesagt: "Ja, also, hmm, null bis eins, würden wir sagen." Da war das Erstaunen groß; denn angenommen hatte man fünf bis sechs. Dann war die zweite Frage: "Und worüber denkt ihr dann so lange nach, wenn das Ergebnis nicht darin besteht, die absehbaren Züge des Gegners zu berechnen?" Die Antwort: "Wir denken darüber nach, wie wir ein möglichst vielfältiges Spielfeld aufbauen können, mit dem Gegner zusammen, um im Nachhinein Fehler korrigieren können."
Das ist für mich ein Bild dafür, dass der Umgang mit Komplexität, der Umgang mit Kontingenz, eben darin besteht, zu wissen, dass man immer nur in vorübergehend tauglichen Positionen unterwegs ist - und dies nun nicht als Anlass zur Verzweiflung zu nehmen, sondern im Gegenteil zu sagen: Wenn ich mich immer nur in einer vorübergehenden Position befinde, dann kann ich diese Position gerade deswegen sehr ernst nehmen und mir anschauen: Was habe ich denn da produziert? Wo stehe ich gerade? Was ist die Absicht? Welche Leute stimmen mir zu? Welche Leute lehnen mich ab? - Das eben deswegen, weil ich ja schon im nächsten Moment diese Position ändern kann.
Deswegen ist die einzige Instanz, auf die wir uns verlassen können, die des vorübergehenden Ereignisses selber. Das heißt, ich kann das Ereignis nicht mehr ändern, obwohl ich weiß, dass ich ein neues Ereignis produzieren kann, um mir eine andere Welt zu eröffnen.

Ein schönes Bild zum Thema: "Komplexität und Kontingenz" von Dirk Baecker: Das Bild des Schachspielers, der - nicht wie angenommen - gar nie viele Züge im Voraus berechnen konnte, sondern schon immer darauf aus war, Strategien zu entwicklen, um mit Komplexität besser umgehen zu können.

SINNRAUM - Daily Dueck Aktuell

Und Papa bittet: „Pass auf, meine Kleine, wir machen einen Deal, weil ich mit dem Computer absolut nichts blicke. Du arbeitest für mich im Home-Office für meine Firma und ich mache dafür deine analogen Hausaufgaben, die seit Humboldt die gleichen sind, die kann ja noch jeder wie ich, der aus der Steinzeit stammt.
(Gunter Dueck)

Es braucht offenbar fürchterliche Signale - wie in Fukushima

Schriftsteller und Japan-Kenner Adolf Muschg über die Gefahren der Atomkraft

Atomkraftwerke haben für mich nur noch eine gute Seite: Sie sind Ruinen verbotenen Wachstums, Denkmäler für etwas, was in unserer Zivilisation nicht geht. Wissen konnte man es schon früher, aber jetzt haben sie es selbst bewiesen. Diese kostengünstige Energie ist unerschwinglich geworden.

Es ist die Tragödie gut gemeinter Verblendung (nach Goethes Faust, Teil zwei)